3.2 Umfrage

3.2 Umfrage

3.2.1 Formate

Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass sich der aktuelle Formatstandard EPUB3 auch fünf Jahre nach seiner Einführung nicht durchgesetzt hat: E-Books werden in den Publikumsverlagen überwiegend im veralteten EPUB2-Format publiziert.1 In fast allen Gruppen überwiegt die Herstellung der alten Formatversion EPUB2 gegenüber der Produktion von EPUB3, lediglich in Gruppe fünf ist die Verwendung ausgeglichen. Außerdem nennen nur vier der befragten Verlage beide Formate und damit beachtlich wenige – die meisten Verlage veröffentlichen E-Books ausschließlich in einem einzigen offenen Format. Sinnbildlich für dieses Phänomen werden in der Gruppe 1 der Digitalverlage bis auf eine Ausnahme die Formate MOBI, PDF und EPUB2 produziert. Damit verzichten selbst Digitalverlage, denen konzeptionell keine Grenzen durch die Druckvorgaben eines Vorgängers auf Papier gesetzt sind, auf die technischen Erweiterungen, die die jüngeren Formate bieten. Mit ihnen geht auch der Großteil der übrigen Publikumsverlage das Risiko ein, das veraltete, nicht mehr aktualisierte Format EPUB2 zu vertreiben.

Hinsichtlich der proprietären Formate von Amazon bietet sich ein ähnliches Bild: Wie auch beim offenen EPUB-Format schlägt das ältere MOBI im Rahmen der Umfrage das technisch weiter entwickelte KF8 bezüglich der Anwendungszahlen. Analog zum offenen Format produzieren lediglich sechs Verlage beide proprietären Formatversionen. Deutlich häufiger werden Kombinationen aus MOBI und EPUB2 (14 Nennungen) und KF8 zusammen mit EPUB3 (acht Nennungen) erwähnt. Die Verlage entscheiden sich innerhalb einer Leseumgebung offenbar für eine Formatversion und richten die gesamte E-Book-Herstellung dementsprechend aus.

Die ersten Umfrageergebnisse haben gezeigt, dass der Prototyp eines Textes, den Publikumsverlage heute als E-Book publizieren, im Reflowable Layout dargestellt werden kann, weil er zu überwiegenden Teilen aus Fließtext besteht. Insofern ist ein Fixed Layout, wie es das PDF oder das EPUB Fixed Layout bietet, nur für wenige Titel erforderlich oder interessant. Mit insgesamt sechzehn Nennungen spielen diese beiden Formate dennoch eine nicht unerhebliche Rolle.

Format Alle Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3 Gruppe 4 Gruppe 5
EPUB2 27 3 7 7 6 4
EPUB3 17 1 4 5 3 4
MOBI 22 3 2 4 7 6
KF8 10 0 1 5 3 1
PDF 11 3 2 2 3 1
EPUB FL 5 0 0 0 3 2

Aufgrund der gemachten Beobachtung wird die Herstellung der proprietären Amazon-Formate im Folgenden vernachlässigt. Zum einen erfolgt sie ohnehin automatisch aus einem der beiden offenen EPUB-Formate und zum anderen wird die Entscheidung, welches proprietäre Amazon-Format produziert wird, bereits mit der Herstellung eines EPUB-Formats beziehungsweise während der Produktion des Inhalts gefällt – wer sich für ein Plain E-Book entscheidet, stellt EPUB2 und auch MOBI her; wer ein Enhanced E-Book produziert, wählt EPUB3 und auch KF8.

Analog zur aktuellen Formatfrage, die die Publikumsverlage offensichtlich vor Probleme stellt, geben insgesamt sieben der befragten Verlage – darunter alle Verlage aus Gruppe 1 – an, dass sie sich mit der EPUB3-Inkompatibilität vieler Lesegeräte beschäftigen.2 Passend zu dieser Thematik sind außerdem vier Verlage der Überzeugung, dass ein grundlegend höherer Gerätestandard für erfolgreiches digitales Publizieren erforderlich ist; Drei Verlage sehen die Lösung wiederum in einheitlichen E-Book-Formaten und zwei Verlage in leistungsfähigeren Lesegeräten.3

3.2.2 Anpassungen

Die Bemühungen der Hersteller bei der E-Book-Herstellung beschränken sich weniger auf das Ergänzen zusätzlichen Materials und mehr auf das Erweitern innerhalb des bereits vorhandenen Fließtextes – beispielsweise durch die Ergänzung von Links.4 Offensichtlich nutzen Publikumsverlage das Potential der Enhanced E-Books nicht oder sind konzeptionell auf die Funktionserweiterungen durch die jüngsten Formatgenerationen EPUB3 und KF8 nicht angewiesen.

Anpassung Nennungen
Anlegen eines Inhaltsverzeichnisses 29
Markierung von Kapiteln 28
Markierung von Links 28
Zusätzliche Werbung 16
Ergänzung von Bildmaterial 14
Zusätzliches Textmaterial 9
Ergänzung von Audiodateien 6
Ergänzung von Videodateien 5

Eine Erklärung für diese Handhabe ist, dass das geschlossene Containerformat per Definition auch alle erweiternden Elemente enthält und speichert. Eine beispielsweise um ein Audio- oder Videoelement angereicherte E-Book-Datei wird entsprechend groß und erfüllt möglicherweise nicht mehr die Anforderungen mobiler und schneller Verfügbarkeit von vertrieblicher Seite. In Anbetracht dessen ist ein Link auf einen im Netz verfügbaren Audio- oder Videoinhalt – sofern strukturell möglich – vergleichsweise besser geeignet.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung in Bezug auf Enhanced E-Books ist sicherlich der gesteigerte Produktionsaufwand: Die Inhalte eines gedruckten Buches liegen bereits vor und können im Sinne eines optimierten Workflows ohne zeitliche Verzögerung zügig digitalisiert und in ein E-Book transformiert werden. Verlage produzieren zusätzliches Audio- oder Videomaterial nur für wenige, aufwendige Titel, weil multimedialer Content für alle Publikationen in umfangreichen Mengen schlicht nicht vorhanden ist und dessen Produktion wiederum nicht zu den Kernkompetenzen eines Publikumsverlags gehört. Bei den als E-Book veröffentlichten Publikationen handelt es sich größtenteils also nicht nur um Inhalte, die im Reflowable Layout dargestellt werden können, sondern überwiegend auch um einfache Plain E-Books. Möglicherweise greift als Ursache dafür aber auch eine umgekehrte Kausalkette: Die Publikumsverlage sehen von der Produktion multimedial erweiterter E-Books ab, weil deren Inhalte von der verwendeten Software der Leseumgebungen oder der Hardware der Endgeräte nicht oder nur unzureichend dargestellt werden können. Dieser Ansatz muss im weiteren Verlauf überprüft werden – sie würde die These der systematischen Abhängigkeit innerhalb des E-Book-Systems stützen.


  1. Siehe Frage 17: In welchem Format wird das E-Book erstellt? ↩︎
  2. Siehe Frage 20: Welche Probleme / Themen beschäftigen Sie und den Verlag derzeit bezüglich der Herstellung von E-Books? ↩︎
  3. Siehe Frage 21: Was würde Ihnen und dem Verlag bezüglich der Herstellung von E-Books helfen? ↩︎
  4. Siehe Frage 9: Welche Anpassungen am Text werden im Hinblick auf die digitale Nutzung vorgenommen? ↩︎

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