1.3 Umfrage

1.3 Umfrage

Die Umfrage zur Herstellung von E-Books wurde im Februar 2016 unter Herstellern deutschsprachiger Publikumsverlage durchgeführt. 40 Verlage beantworteten die insgesamt 21 Fragen in einem Google Docs Formular.1 Vier Datensätze waren entweder fehlerhaft beziehungsweise nicht vollständig oder kamen nicht aus einem Verlag mit dem Schwerpunkt auf belletristischer Literatur. Die Ergebnisse aus den verbleibenden 36 Datensätzen der Hersteller wurden bereits in einer interaktiven Infografik veröffentlicht und befinden sich zudem im Anhang.2

Die Umfrage ist nicht repräsentativ: Die darin geäußerten Antworten sind aufgrund einfachster Teilnahmekriterien und sowohl geschätzter Werte als auch subjektiver Eindrücke der Hersteller teilweise nicht zuverlässig. Zudem ist die Anzahl der Befragten nicht ausreichend, um quantitative, statistische Aussagen zu gewinnen. Auch eine qualitative Analyse ist von der Ausführlichkeit der Antworten abhängig und daher teilweise unmöglich. Dennoch liefern die Ergebnisse einen authentischen Überblick über die Herstellung von E-Books in Publikumsverlagen und bestätigen die aus der Literatur und durch die späteren Interviews gewonnenen Thesen. Die Schlussfolgerungen sind entsprechend vorsichtig in den argumentativen Aufbau des Hauptteils eingewoben.

Die Ergebnisse der Befragung offenbaren ein heterogenes Bild: Alle Verlage produzieren digitale Publikationen der Warengruppe Belletristik, sie unterscheiden sich jedoch in Produktionsumfang und Jahresumsatz erheblich voneinander. Zudem befinden sich unter den Teilnehmern sowohl unabhängige Verlage und Digitalverlage mit geringen E-Book-Produktionen als auch große, teilweise in internationalen Verlagsgruppen organisierten Verlagshäusern. Diese Divergenz erschwert den direkten Vergleich und erfordert eine Klassifizierung der Datensätze in Gruppen.

1.3.1 E-Book-Neuerscheinungen

Die erhobenen Umfragedaten über die jährlichen E-Book-Neuerscheinungen zeigen einen Querschnitt unterschiedlicher deutschsprachiger Verlage, die E-Books in kleinen, mittleren und großen Mengen produzieren.3 Diese Ergebnisse lassen voraussichtlich Rückschlüsse über den Jahresumsatz, den Produktionsworkflow der Herstellungsabteilung sowie die allgemeine Bedeutung und Relevanz digitaler Publikationen innerhalb des Verlages zu. Die Daten sind zuverlässig – immerhin wissen Hersteller genau, wie viele E-Books im Jahr produziert werden – und so werden alle Datensätze für die Auswertung der Umfrage anhand der hier gewonnenen Ergebnisse in Gruppen klassifiziert.

Eine Gruppe stand bereits während der Umfrage fest: die Gruppe der Digitalverlage. Gemeint sind jene Verlage, die ausschließlich oder überwiegend digital publizieren und sich damit gravierend von den übrigen Printverlagen unterscheiden. Die betreffenden Hersteller wurden um ihre Zustimmung zur Nennung in dieser Gruppe gebeten und waren ausnahmslos einverstanden. Die Gruppe 1 der Digitalverlage besteht aus vier Verlagen. Um eine vergleichbare Gruppengröße zu provozieren, werden die Intervallgrenzen vier weiterer Gruppen wie folgt festgelegt:

Gruppe E-Book-Neuerscheinungen pro Jahr Gruppengröße
Gruppe 1 (Digitalverlage) 1 – 35 4
Gruppe 2 1 – 35 9
Gruppe 3 36 – 150 8
Gruppe 4 151 – 300 8
Gruppe 5 301 – 500 7

1.3.2 Jahresumsatz

14 von 36 Verlagen erwirtschaften 5 Mio. Euro Jahresumsatz und mehr;4 20 Verlage und damit mehr als die Hälfte machen mindestens eine Million Euro Umsatz im Jahr – viele große Verlage haben an der Umfrage teilgenommen. Im Hinblick auf das Ranking der zwanzig größten Belletristik- und Sachbuchverlage in Deutschland nach Umsatz im Jahr 2014 war dieses Ergebnis zu erwarten.5 Die Datensätze offenbaren einen direkten Zusammenhang zwischen der jährlichen E-Book-Produktion und dem Jahresumsatz des Publikumsverlags.

Von den Digitalverlagen abgesehen haben wenige kleine Verlage an der Umfrage teilgenommen. Vermutlich publizieren die meisten von ihnen wenige bis keine E-Books oder sehen davon ab, an einer Umfrage teilzunehmen, mit deren Thema sie vermeintlich nicht ausreichend vertraut sind. Je kleiner der Verlag, desto weniger Mitarbeiter decken die verschiedenen Bereiche der verlegerischen Tätigkeiten ab, zu denen das digitale Publizieren – ausgehend von einem klassischen Printverlag – nicht notwendigerweise gehört. Große Verlage produzieren digitale Produkte hingegen in spezialisierten Abteilungen. Das haben die anfängliche Kommunikation mit den Verlagen und das Tätigkeitsfeld der als solche identifizierten Hersteller gezeigt.

1.3.3 Segment

Die befragten Publikumsverlage veröffentlichen überwiegend in Segmenten, deren Publikationen Fließtexte enthalten.6 33 der 36 befragten Verlage geben an, im Segment Erzählende Literatur E-Books zu veröffentlichen. Dabei handelt es sich bezogen auf die Darstellbarkeit um zumeist wenig komplexe Inhalte. Einzig Publikationen der Segmente Comic, Cartoon, Humor, Satire, Lyrik, Dramatik und Zweisprachige Ausgaben erfordern ein besonderes Layout, das eine fixierte Darstellung des Textes auf angeordneten Seiten erforderlich macht beziehungsweise einer fließenden, reagierenden Darstellung widerspricht. Für die übrigen Segmente sind Fließtexte charakteristisch. Damit ist die Transformation eines für die Buchproduktion gesetzten Inhalts in ein Digitalformat hinsichtlich der Textdarstellung grundsätzlich nicht anspruchsvoll: Der Prototyp eines Textes, den Publikumsverlage heute als E-Book publizieren, kann fließend beziehungsweise reagierend dargestellt werden.

Segment Nennungen
Erzählende Literatur 33
Spannung 17
Gemischte Antologien 10
Comic, Cartoon, Humor, Satire 6
Science Fiction, Fantasy 6
Lyrik, Dramatik 5
Geschenkbücher 4
Zweisprachige Ausgaben 1

1.3.4 Neuerscheinungen / Backlist

Der prozentuale Anteil der auch als E-Book veröffentlichten Neuerscheinungen steigt mit der Anzahl der jährlichen E-Book-Produktion.7 Große Verlage, die viele E-Books veröffentlichen, investieren offenbar Ressourcen in den Workflow der E-Book-Produktion, um möglichst viele gedruckte Publikationen auch digital zu publizieren. Dieses Ziel erreichen sie durch die Einstellung qualifizierten Personals und mit der Anschaffung leistungsfähiger Produkte. Ein Blick zurück auf die Jahresumsätze verdeutlicht, dass ihnen die finanzielle Grundlage zur Verfügung steht. Ist der Workflow der E-Book-Herstellung optimiert, sinkt der zeitliche und manuelle Aufwand für eine Publikation und es können mehr Titel bewältigt und digital umgesetzt werden.

Dass nicht alle Neuerscheinungen als E-Book veröffentlicht werden, ist auch in fehlenden Rechten begründet, wie eine zusätzliche Antwort aus Gruppe 4 verdeutlicht: Abhängig von Taschenbuch-Lizenz und Rechteübertragung der Autoren – Wunsch wäre 100%!. Verlage benötigen vom Autor das Verbreitungsrecht für bestimmte Verwertungsarten, darunter auch die für das E-Book. Wird dieses nicht erteilt, ist eine digitale Veröffentlichung ausgeschlossen. Diese Haltung ist ideologischer Natur, wenn Autoren eine digitale Veröffentlichung grundsätzlich ablehnen, oder hat wirtschaftliche Gründe, wenn selbige von einem gedruckten Buch stärker finanziell profitieren.

Viele Verlage aus unterschiedlichen Gruppen legen den Fokus ihrer Digitalaktivität augenscheinlich nicht auf die Backlist.8 Fast jeder dritte Verlag gibt an, weniger als 40% der Backlisttitel digital bereitzuhalten. Einige Verlage sind unabhängig von ihrem Produktionsumfang und -umsatz offensichtlich in der Lage, Mittel und Investitionen bereitzustellen, um die eigene Backlist zu digitalisieren. Zugegeben: Die erhobenen Daten liefern keine Informationen über den Umfang und das Alter der Backlist und den im hohen Maße damit verbundenen Kosten einer vollständigen Digitalisierung.

Publikationen Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3 Gruppe 4 Gruppe 5
Neuerscheinungen 100% 73% 83% 85% 89%
Backlisttitel 100% 49% 56% 54% 58%

1.3.5 Dienstleister

18 Publikumsverlage produzieren E-Books im eigenen Haus, 18 Verlage nehmen das Angebot von Dienstleistern in Anspruch.9 Darunter arbeiten zwei Digitalverlage mit Freelancern zusammen, die natürlich auch eine Dienstleistung verkaufen. Die Verteilung der Angaben verdeutlicht, dass es sich dabei um eine individuelle Entscheidung der Verlage handelt. Die Daten lassen jedoch keine Rückschlüsse über den Umfang der Dienstleistung von außen zu, ebensowenig über den Grund der Inanspruchnahme. Dennoch ist die Vielzahl in diesem Ausmaß erstaunlich, immerhin verfügt jeder Verlag über eine eigene Herstellungsabteilung, der die Produktion digitaler Publikationen und damit die Herstellung von E-Books zufällt. Offenbar gibt es verlagsübergreifende Gründe beziehungsweise Hemmungen, die Produktion selbst zu übernehmen und sie stattdessen an Dienstleister abzugeben.


  1. Vgl. Anhang 1: Fragen der Umfrage ↩︎
  2. Link zur Infografik: https://infogr.am/umfrage_zur_herstellung_von_e_books ↩︎
  3. Siehe Anhang 2, Frage 3: Wie viele Neuerscheinungen werden pro Jahr als E-Book veröffentlicht? ↩︎
  4. Siehe Anhang 2, Frage 1: Wie hoch ist der Jahresumsatz des Verlags? ↩︎
  5. Vgl. buchreport 2016: Ranking der zwanzig größten Belletristik- und Sachbuchverlage in Deutschland nach Umsatz im Jahr 2015 (in Millionen Euro). http://de.statista.com/statistik/daten/studie/183328/umfrage/die-groessten-verlage-in-deutschland-nach-umsatz/ ↩︎
  6. Siehe Anhang 2, Frage 2: Auf welchem Segment liegt der Schwerpunkt des Programms innerhalb der Warengruppe Belletristik? ↩︎
  7. Siehe Anhang 2, Frage 3: Wie viele Neuerscheinungen werden pro Jahr als E-Book veröffentlicht? ↩︎
  8. Siehe Anhang 2, Frage 4: Wie viele Print-Neuerscheinungen werden prozentual auch als E-Book veröffentlicht? ↩︎
  9. Siehe Anhang 2, Frage 8: Wer übernimmt die Herstellung des E-Book? ↩︎

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